Andacht


Für jeden Monat ist eine Hörandacht auf dem Anrufbeantworter des Gemeindebüros zu hören (06442 92152), damit auch Gemeindeglieder, die kein Internetzugang haben, eine Andacht aus unserer Gemeinde hören können. Für jede Woche soll dann eine neue Andacht aufgesprochen werden. Erzählt es in Eurem Umfeld weiter, dass es diese Möglichkeit gibt! Wenn der Anrufbeantworter nicht anspringt, hört ihn gerade jemand anderes ab. Dann versucht es ein paar Minuten später noch einmal.


Liebe Gemeindeglieder

 

Mitte Februar. Es ist kalt draußen. Ich bin zu Fuß unterwegs, bringe bei Gemeindegliedern etwas vorbei, spreche ein bisschen mit ihnen an der Haustür und treffe ein paar Spaziergänger. Ich höre viele Worte: traurige und einsame, verärgerte und verbitterte, dankbare und zufriedene. Wie unterschiedlich schwer tragen doch die Menschen an dieser Lockdown- Situation! Die Tochter darf ihren schwerkranken Vater nicht im Krankenhaus besuchen. Die alleinlebende Frau kommt kaum nach draußen und sieht manchmal tagelang keinen Menschen; und menschliche Berührung erfährt sie nur noch beim Zahnarzt. Der Mittefünfziger mit Vorerkrankung ist erbost darüber, dass er vor Sommer nicht mit einer Impfung rechnen kann. Und die Frau, die sich vorher mit Minijobs über Wasser hielt, weiß nicht mehr weiter. Keinen Job, keine Bezahlung, keine Rücklagen (wie auch?).

 

Seid barmherzig!, fordert uns Jesus auf.

 

Was heißt das jetzt – barm-Herz-ig!? Heißt es: Gut, dass ich das Problem nicht habe! Ich brauche nicht auch noch die Sorgen des anderen. Mir reichen meine! ... Oder: Ich lasse es mir zu Herzen gehen. Ich gehe nicht unberührt weiter.

 

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Wie barmherzig ist denn unser Vater im Himmel?

 

ER stellt uns jederzeit sein offenes Ohr zur Verfügung. Jeden Morgen ist ER für uns da, geizt nicht mit Luft und Liebe, mit Licht und Lebenskraft. Liebend gern vergibt ER uns, egal was wir zu IHM bringen. Seine heilige Geistkraft schickt ER denen, die IHN von ganzem Herzen suchen. All das hat Jesus gezeigt. Durch IHN können wir es erfahren.

 

Und nun sucht ER bei uns, was ER uns bereits reichlich schenkt. Wir müssen nichts geben, was uns nicht geschenkt ist! Einfach nur weiterleiten, was von IHM kommt!

 

Zum Beispiel: dem anderen mit offenem Herzen zuhören. Ihm ein wärmendes Wort für sein Herz geben. Beherzt handeln mit den vielen kleinen Möglichkeiten, die ich habe.

 

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

 

Ich wünsche Euch viele gesegnete

Erfahrungen mit diesem Jahresmotto

Kirsten Vollmer



Liebe Gemeindeglieder

 

„Fürchtet euch nicht!“

 

Einmal im Jahr hören wir diesen Satz. Immer an Heilig Abend wird diese Botschaft der Engel an die Hirten verkündet.

 

Ich hoffe, dass dieser Satz in diesem Jahr uns zur Botschaft wird.

 

Die Weihnachtsgeschichte mutet uns ja oft wie ein schönes Märchen an. Die Kinder spielen es als Krippenspiel vor und es passt zu unserer Stimmung. Weihnachten ist ja so heimelig und romantisch; ein Familienfest.

 

In diesem Jahr ist das etwas anders. Wir müssen genau überlegen, mit wem wir feiern können. Einige sind erkrankt und viele haben Angst vor einem kleinen unsichtbaren Virus, das schon so viel in diesem Jahr auf der Welt angerichtet hat.

 

Wie kann: „Fürchtet euch nicht!“ heute für uns zur Botschaft werden?

 

Schauen wir die an, an die diese Nachricht zunächst gerichtet ist: die Hirten. In der damaligen Zeit waren Hirten in der Gesellschaft nicht gerade angesehen. Sie waren eher Ausgesonderte; Tag und Nacht bei ihren Tieren, und sie rochen auch so wie sie. Vielleicht ging es ihnen wie manchem Menschen von uns heute: Sie erwarteten nicht viel vom Leben und schon gar nicht, dass Gott eine Botschaft für sie hat.

 

Erwarten wir, dass Gott heute eine Botschaft für uns hat? Erwarten wir, dass Gott uns sieht? Sich für uns interessiert?

 

Die Hirten von damals wohl eher nicht. Aber es geschieht. Mitten in der Nacht. Die Hirten tun ihre Arbeit. Sie passen auf ihre Schafe auf. Wie aus dem Nichts wird es hell um sie. Ein Engel verkündet die Botschaft: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk, widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10f)

 

Was für eine Nachricht! Ja, zuerst müssen sie beruhigt werden: „Habt keine Angst!“. Aber dann kommt ein Satz, der sie umhaut. Gott ist da! Er kommt euch so nah, wie bisher niemandem auf der Welt. In einem kleinen Kind kommt Gott zu euch!

 

Und das ist auch für uns die Botschaft, die immer noch gilt.

 

Gott ist auch für dich in diesem kleinen Kind auf die Welt gekommen. Er hat sich damals um die Menschen gekümmert und tut es heute genauso.

 

Wir können es oft nicht sehen, weil Alltagssorgen uns erdrücken. Gott verspricht auch nicht, dass er uns die Sorgen wegnimmt, das Leid, die Krankheit. Aber er verspricht, dass er bei uns ist.

 

Dieses kleine Kind hat die Welt verändert. Es hat jedem Menschen die Möglichkeit gegeben, zu Gott zurückzufinden.

 

Die Hirten haben sich auf den Weg gemacht. Sie haben gesagt: „Lasst uns die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“

 

Und sie fanden alles genauso vor.

 

Wir können es überprüfen. Für uns sind diese Geschichten in der Bibel aufgeschrieben worden und werden in jedem Gottesdienst verkündet.

 

Hören wir diese Worte als Botschaft für uns persönlich:

 

Fürchtet euch nicht!

Marion Gültenhaupt

Gemeindediakonin



Liebe Gemeindeglieder!

 

Für einige hatte der Lockdown in der Coronazeit auch eine positive Seite: Es war auf einmal mehr Zeit da für sich selbst und für andere, für Waldspaziergänge und kreative Sachen (für Familien mit kleinen Kindern sah es allerdings ganz anders aus). Man hat gemerkt: Konsum ist gar nicht so wichtig; Arbeiten von zuhause erspart viel Fahrerei; man muss nicht von Veranstaltung zu Veranstaltung hetzen; die Natur kann sich ein wenig erholen; es ist gut, aufeinander zu achten.

Werden wir etwas beibehalten von dem, was sinnvoll war?

Mein Eindruck ist: Die meisten sind froh, wenn es wieder so läuft wie vorher. Denn sein Verhalten wirklich zu verändern, ist mühsam. Keiner macht das gerne. Das Titelbild macht das sehr anschaulich. Bei der Forderung, dass wir selbst unser Leben ändern müssten, fühlen wir uns schnell überfordert und reagieren mit Abwehr: „Wir können doch nicht die Welt retten, indem wir auf Fleisch und Flugreisen verzichten! Sollen wir die ganze Zeit mit schlechtem Gewissen rumrennen?“ Ich kann verstehen, dass viele die Nase voll haben vom erhobenen Zeigefinger.

 

Andererseits wissen wir auch: Wenn wir wollen, dass die Welt lebenswert bleibt, muss es Veränderung geben. Das ist uns vom Kopf her klar. Bei der Frage „Wer will Veränderung?“ heben alle die Hand. Wir kommen nicht darum herum, die sich sowieso vollziehenden Veränderungen aktiv zu gestalten.

 

Wir sind in einer Umbruchzeit: Bisher ging die Erzählung vom Leben so: „Du musst dich anstrengen und was lernen. Dann kannst du viel Geld verdienen. Dann kannst du dir immer mehr leisten und immer mehr erleben. Das macht dein Leben sinnvoll.“ Aber das funktioniert nicht mehr richtig. Der Wohlstand geht für die meisten faktisch seit Jahren zurück. Es überfordert uns, immer noch mehr zu kaufen und mehr Events in unserem Leben unterzubringen und wir werden nicht glücklicher dadurch. Und im globalen Maßstab ist eben auch klar, dass wir mit andauerndem Wirtschaftswachstum unseren Planeten zugrunde richten.

 

Aber kein Leben ohne Wachstum! Jesus nimmt oft Bilder aus der Natur und spricht vom Wachsen des Reiches Gottes. Wir brauchen kein Wachstum im Materiellen, aber wir brauchen das, was mein Taufspruch so sagt; „Wachst aber immer weiter in der Gnade und Erkenntnis, die unser Herr und Retter Jesus Christus schenkt.“ (2. Petrus 3,18). In der Gnade wachsen: sich immer tiefer darin verwurzeln, dass Gott mich annimmt. Jesus Christus immer mehr erkennen. Immer mehr hineinfinden in das Geheimnis seines Sterbens und seiner Auferstehung. Gott hat ihn zum Zentrum der Menschheitsgeschichte, ja zum Zentrum des Kosmos gemacht. Wer in der Erkenntnis Jesu wächst, der wächst auch in der Hoffnung auf Gottes kommendes Reich. Der lebt von einem neuen Maßstab her. Die Gegenwart ist nicht das Maß aller Dinge. Wir sind in einer anderen Realität verankert. Wir vertrauen dem Gott, „der die Toten lebendig macht, und der das, was nicht ist, ins Sein ruft“ (Römer 4,17). Die Realität ist nicht Herr über Gott, sondern Gott ist Herr über die Realität.

 

Wenn dieser Glaube uns beflügelt, fällt es uns leichter, unser Verhalten zu ändern. Viel leichter, mit der Schöpfung sorgsamer umzugehen. Wir sehen nämlich nicht mehr auf das, was wir dann nicht mehr oder weniger haben, sondern wir sehen, dass eine andere, wunderbare Wirklichkeit zum Vorschein kommen will. Wie ein Schmetterling, der aus einer unansehnlichen Puppe schlüpft. Diese Verwandlung ist ein Wunder. Ist er entschlüpft, breitet er seine Flügel aus, füllt sie mit Blut oder Chitin. Nach ein paar Stunden kann er losfliegen. Ein völlig neues Leben in der Luft, leicht und bunt. So lässt auch das Leben im Reich Gottes unser erdenschweres und mühsames Leben hinter sich. Wunderbar, dass die bunten Farben des Reiches Gottes schon hier sichtbar werden! Veränderung ist möglich und wird wirklich!

 

 

 



Liebe Gemeindeglieder!

 

Erst wenn man krank ist, lernt man die Gesundheit wirklich zu schätzen. Das ist eine alte Erfahrung: solange etwas ganz selbstverständlich ist, nehmen wir es in Anspruch, oft ohne es besonders zu schätzen. So geht es uns auch aktuell in der Coronakrise. Weil infrage stand, ob die Ärzte und Pflegekräfte einem möglichen Ansturm auf die Krankenhäuser gewachsen sind, wird deren Arbeit auf einmal ganz anders wertgeschätzt. Wenn Schulen und Kindergärten geschlossen sind, kommt uns mehr zu Bewusstsein, wie grundlegend wichtig diese Arbeit ist. Konzerte finden nicht statt und wir denken darüber nach, wie lebenserfüllend die Musik ist und werden den Künstlern dankbarer. Wir können bisher nicht weit weg verreisen. Wir merken nicht nur, wie hoch das Gut der Freiheit ist, nicht nur der Reisefreiheit. Wir bekommen auch wieder einen anderen Blick auf unser unmittelbares Umfeld, das Netz von Kontakten, zu denen wir gehören und die uns Halt geben. Die Coronakrise wirft aber auch ein grelles Licht auf die Missstände: in der Fleischindustrie ist alles nur auf „billig“ ausgerichtet und wir sehen jetzt, was für eine Schweinerei das ist. Hoffentlich führt es dazu, dass die Arbeitsbedingungen besser werden und wir mehr darauf achten, wie Tiere gehalten und geschlachtet werden. Sind wirbereit, für ein gutes Stück Fleisch mehr auszugeben? Es mehr wertzuschätzen heißt auch, dass es nicht selbstverständlich jedes Mal zum Essen gehört, sondern wir es als etwas Besonderes genießen. Überhaupt wird deutlich, dass die Ausrichtung auf Effizienz uns in die Irre geführt hat. Wir sind dadurch zu abhängig geworden von Lieferketten, die in Krisenzeiten zusammenbrechen. Es darf nicht sein, dass lebenswichtige Medikamente aus Kostengründen nur noch in China oder Indien hergestellt werden. Wir dürfen nicht alles wegsparen, worauf wir in Krisenzeiten angewiesen sind.

 

Gilt das nicht auch für Glauben und Kirche? Wir haben in einem solchen Wohlstand mit übermäßig vielen Angeboten von Aktivitäten und Konsum gelebt, dass uns Gottesdienste ganz überflüssig vorkamen. Können wir die nicht auch wegsparen? Fällt das überhaupt auf, wenn wir die sang- und klanglos weglassen? Dann kam das Verbot, Gottesdienste zu feiern. Das brachte manchen neu ins Nachdenken, ob der Gottesdienst nicht doch eine sehr wesentliche Einrichtung ist. Immerhin treffen sich seit den Anfängen der Christenheit die Christen in ihren Orten Woche für Woche am Auferstehungstag Jesu, dem Sonntag, um Gottesdienst zu feiern. Nicht privat für sich, sondern öffentlich für jeden zugänglich. In der Gemeinschaft ist die Wirklichkeit Gottes ganz anders zu erfahren, so wie Jesus zugesagt hat: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Wir bringen zusammen die Nöte unserer Welt vor Gottes Angesicht. Wir feiern, dass Gottes Reich der Liebe, der Barmherzigkeit und Versöhnung schon ihren Anfang nahm. Wo sonst können wir dessen gewiss werden, dass Gottes Worte uns ewiges Leben eröffnen? Die Glocken läuten öffentlich – ein hörbares Zeichen dafür, dass der Ruf zu Gottesdienst und Gebet an alle geht, weil alle im Dorf unter Gottes gnädiger Herrschaft leben und auf ihn zugehen, ob sie etwas davon wissen oder nicht. Seit über 1000 Jahren versammeln sich die Christen in unseren Dörfern zum Gottesdienst. Es ist schön, dass wir das jetzt auch wieder dürfen – auch wenn die Einschränkungen weh tun, auf Abstand zu bleiben und nicht singen zu dürfen. Es ist meine Hoffnung, dass wir durch die Krisenzeit aus der Gottvergessenheit herauskommen und es ganz neu wertschätzen, miteinander Gottesdienst zu feiern. Lasst uns eine bewusste Entscheidung treffen, miteinander in den Spuren Jesu zu bleiben!

 Reinhard Vollmer

Mit Gott den Tag beschließen: eine Abendliturgie

 

Heilig bist DU, Ursprung der Welt.

Heilig bist DU, Ziel aller Wege.

Heilig bist DU, ewige Gegenwart.

                                          (von Jörg Zink)

 

WAS BETRÜBST DU DICH, MEINE SEELE,

UND BIST SO UNRUHIG IN MIR

HARRE AUF GOTT;

DENN ICH WERDE IHM NOCH DANKEN,

DASS ER MEINES ANGESICHTS HILFE UND MEIN GOTT IST.

                                                                      (Psalm 42,6)

 

Nichts beunruhige dich! Nichts ängstige dich!

Wer Gott hat, dem fehlt nichts.

Gott allein genügt!

                                           (von Teresa von Avila)

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht

Christus, meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht` mich nicht,

auf dich vertrau ich und fürcht` mich nicht.

                                                           (aus Taizé)

 

Diesen Tag, HERR, habe ich von Dir empfangen.

Ich gebe ihn Dir zurück mit allem, was heute gewesen ist…

 

(Hier ist Raum für persönliches Erzählen mit Gott)

 

Vater unser im Himmel, …

 

ES SEGNE UND BEHÜTE UNS

DER ALLMÄCHTIGE UND BARMHERZIGE GOTT,

VATER, SOHN UND HEILIGER GEIST.

 

 (Hierbei kann ein Kreuzzeichen gemacht werden)

 

AMEN.