Andacht


Für jeden Monat ist eine Hörandacht auf dem Anrufbeantworter des Gemeindebüros zu hören (06442 92152), damit auch Gemeindeglieder, die kein Internetzugang haben, eine Andacht aus unserer Gemeinde hören können. Für jede Woche soll dann eine neue Andacht aufgesprochen werden. Erzählt es in Eurem Umfeld weiter, dass es diese Möglichkeit gibt! Wenn der Anrufbeantworter nicht anspringt, hört ihn gerade jemand anderes ab. Dann versucht es ein paar Minuten später noch einmal.


Liebe Gemeindeglieder!

 

Für einige hatte der Lockdown in der Coronazeit auch eine positive Seite: Es war auf einmal mehr Zeit da für sich selbst und für andere, für Waldspaziergänge und kreative Sachen (für Familien mit kleinen Kindern sah es allerdings ganz anders aus). Man hat gemerkt: Konsum ist gar nicht so wichtig; Arbeiten von zuhause erspart viel Fahrerei; man muss nicht von Veranstaltung zu Veranstaltung hetzen; die Natur kann sich ein wenig erholen; es ist gut, aufeinander zu achten.

Werden wir etwas beibehalten von dem, was sinnvoll war?

Mein Eindruck ist: Die meisten sind froh, wenn es wieder so läuft wie vorher. Denn sein Verhalten wirklich zu verändern, ist mühsam. Keiner macht das gerne. Das Titelbild macht das sehr anschaulich. Bei der Forderung, dass wir selbst unser Leben ändern müssten, fühlen wir uns schnell überfordert und reagieren mit Abwehr: „Wir können doch nicht die Welt retten, indem wir auf Fleisch und Flugreisen verzichten! Sollen wir die ganze Zeit mit schlechtem Gewissen rumrennen?“ Ich kann verstehen, dass viele die Nase voll haben vom erhobenen Zeigefinger.

 

Andererseits wissen wir auch: Wenn wir wollen, dass die Welt lebenswert bleibt, muss es Veränderung geben. Das ist uns vom Kopf her klar. Bei der Frage „Wer will Veränderung?“ heben alle die Hand. Wir kommen nicht darum herum, die sich sowieso vollziehenden Veränderungen aktiv zu gestalten.

 

Wir sind in einer Umbruchzeit: Bisher ging die Erzählung vom Leben so: „Du musst dich anstrengen und was lernen. Dann kannst du viel Geld verdienen. Dann kannst du dir immer mehr leisten und immer mehr erleben. Das macht dein Leben sinnvoll.“ Aber das funktioniert nicht mehr richtig. Der Wohlstand geht für die meisten faktisch seit Jahren zurück. Es überfordert uns, immer noch mehr zu kaufen und mehr Events in unserem Leben unterzubringen und wir werden nicht glücklicher dadurch. Und im globalen Maßstab ist eben auch klar, dass wir mit andauerndem Wirtschaftswachstum unseren Planeten zugrunde richten.

 

Aber kein Leben ohne Wachstum! Jesus nimmt oft Bilder aus der Natur und spricht vom Wachsen des Reiches Gottes. Wir brauchen kein Wachstum im Materiellen, aber wir brauchen das, was mein Taufspruch so sagt; „Wachst aber immer weiter in der Gnade und Erkenntnis, die unser Herr und Retter Jesus Christus schenkt.“ (2. Petrus 3,18). In der Gnade wachsen: sich immer tiefer darin verwurzeln, dass Gott mich annimmt. Jesus Christus immer mehr erkennen. Immer mehr hineinfinden in das Geheimnis seines Sterbens und seiner Auferstehung. Gott hat ihn zum Zentrum der Menschheitsgeschichte, ja zum Zentrum des Kosmos gemacht. Wer in der Erkenntnis Jesu wächst, der wächst auch in der Hoffnung auf Gottes kommendes Reich. Der lebt von einem neuen Maßstab her. Die Gegenwart ist nicht das Maß aller Dinge. Wir sind in einer anderen Realität verankert. Wir vertrauen dem Gott, „der die Toten lebendig macht, und der das, was nicht ist, ins Sein ruft“ (Römer 4,17). Die Realität ist nicht Herr über Gott, sondern Gott ist Herr über die Realität.

 

Wenn dieser Glaube uns beflügelt, fällt es uns leichter, unser Verhalten zu ändern. Viel leichter, mit der Schöpfung sorgsamer umzugehen. Wir sehen nämlich nicht mehr auf das, was wir dann nicht mehr oder weniger haben, sondern wir sehen, dass eine andere, wunderbare Wirklichkeit zum Vorschein kommen will. Wie ein Schmetterling, der aus einer unansehnlichen Puppe schlüpft. Diese Verwandlung ist ein Wunder. Ist er entschlüpft, breitet er seine Flügel aus, füllt sie mit Blut oder Chitin. Nach ein paar Stunden kann er losfliegen. Ein völlig neues Leben in der Luft, leicht und bunt. So lässt auch das Leben im Reich Gottes unser erdenschweres und mühsames Leben hinter sich. Wunderbar, dass die bunten Farben des Reiches Gottes schon hier sichtbar werden! Veränderung ist möglich und wird wirklich!

 

 

 



Liebe Gemeindeglieder!

 

Erst wenn man krank ist, lernt man die Gesundheit wirklich zu schätzen. Das ist eine alte Erfahrung: solange etwas ganz selbstverständlich ist, nehmen wir es in Anspruch, oft ohne es besonders zu schätzen. So geht es uns auch aktuell in der Coronakrise. Weil infrage stand, ob die Ärzte und Pflegekräfte einem möglichen Ansturm auf die Krankenhäuser gewachsen sind, wird deren Arbeit auf einmal ganz anders wertgeschätzt. Wenn Schulen und Kindergärten geschlossen sind, kommt uns mehr zu Bewusstsein, wie grundlegend wichtig diese Arbeit ist. Konzerte finden nicht statt und wir denken darüber nach, wie lebenserfüllend die Musik ist und werden den Künstlern dankbarer. Wir können bisher nicht weit weg verreisen. Wir merken nicht nur, wie hoch das Gut der Freiheit ist, nicht nur der Reisefreiheit. Wir bekommen auch wieder einen anderen Blick auf unser unmittelbares Umfeld, das Netz von Kontakten, zu denen wir gehören und die uns Halt geben. Die Coronakrise wirft aber auch ein grelles Licht auf die Missstände: in der Fleischindustrie ist alles nur auf „billig“ ausgerichtet und wir sehen jetzt, was für eine Schweinerei das ist. Hoffentlich führt es dazu, dass die Arbeitsbedingungen besser werden und wir mehr darauf achten, wie Tiere gehalten und geschlachtet werden. Sind wirbereit, für ein gutes Stück Fleisch mehr auszugeben? Es mehr wertzuschätzen heißt auch, dass es nicht selbstverständlich jedes Mal zum Essen gehört, sondern wir es als etwas Besonderes genießen. Überhaupt wird deutlich, dass die Ausrichtung auf Effizienz uns in die Irre geführt hat. Wir sind dadurch zu abhängig geworden von Lieferketten, die in Krisenzeiten zusammenbrechen. Es darf nicht sein, dass lebenswichtige Medikamente aus Kostengründen nur noch in China oder Indien hergestellt werden. Wir dürfen nicht alles wegsparen, worauf wir in Krisenzeiten angewiesen sind.

 

Gilt das nicht auch für Glauben und Kirche? Wir haben in einem solchen Wohlstand mit übermäßig vielen Angeboten von Aktivitäten und Konsum gelebt, dass uns Gottesdienste ganz überflüssig vorkamen. Können wir die nicht auch wegsparen? Fällt das überhaupt auf, wenn wir die sang- und klanglos weglassen? Dann kam das Verbot, Gottesdienste zu feiern. Das brachte manchen neu ins Nachdenken, ob der Gottesdienst nicht doch eine sehr wesentliche Einrichtung ist. Immerhin treffen sich seit den Anfängen der Christenheit die Christen in ihren Orten Woche für Woche am Auferstehungstag Jesu, dem Sonntag, um Gottesdienst zu feiern. Nicht privat für sich, sondern öffentlich für jeden zugänglich. In der Gemeinschaft ist die Wirklichkeit Gottes ganz anders zu erfahren, so wie Jesus zugesagt hat: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Wir bringen zusammen die Nöte unserer Welt vor Gottes Angesicht. Wir feiern, dass Gottes Reich der Liebe, der Barmherzigkeit und Versöhnung schon ihren Anfang nahm. Wo sonst können wir dessen gewiss werden, dass Gottes Worte uns ewiges Leben eröffnen? Die Glocken läuten öffentlich – ein hörbares Zeichen dafür, dass der Ruf zu Gottesdienst und Gebet an alle geht, weil alle im Dorf unter Gottes gnädiger Herrschaft leben und auf ihn zugehen, ob sie etwas davon wissen oder nicht. Seit über 1000 Jahren versammeln sich die Christen in unseren Dörfern zum Gottesdienst. Es ist schön, dass wir das jetzt auch wieder dürfen – auch wenn die Einschränkungen weh tun, auf Abstand zu bleiben und nicht singen zu dürfen. Es ist meine Hoffnung, dass wir durch die Krisenzeit aus der Gottvergessenheit herauskommen und es ganz neu wertschätzen, miteinander Gottesdienst zu feiern. Lasst uns eine bewusste Entscheidung treffen, miteinander in den Spuren Jesu zu bleiben!

 Reinhard Vollmer

Mit Gott den Tag beschließen: eine Abendliturgie

 

Heilig bist DU, Ursprung der Welt.

Heilig bist DU, Ziel aller Wege.

Heilig bist DU, ewige Gegenwart.

                                          (von Jörg Zink)

 

WAS BETRÜBST DU DICH, MEINE SEELE,

UND BIST SO UNRUHIG IN MIR

HARRE AUF GOTT;

DENN ICH WERDE IHM NOCH DANKEN,

DASS ER MEINES ANGESICHTS HILFE UND MEIN GOTT IST.

                                                                      (Psalm 42,6)

 

Nichts beunruhige dich! Nichts ängstige dich!

Wer Gott hat, dem fehlt nichts.

Gott allein genügt!

                                           (von Teresa von Avila)

 

Meine Hoffnung und meine Freude,

meine Stärke, mein Licht

Christus, meine Zuversicht,

auf dich vertrau ich und fürcht` mich nicht,

auf dich vertrau ich und fürcht` mich nicht.

                                                           (aus Taizé)

 

Diesen Tag, HERR, habe ich von Dir empfangen.

Ich gebe ihn Dir zurück mit allem, was heute gewesen ist…

 

(Hier ist Raum für persönliches Erzählen mit Gott)

 

Vater unser im Himmel, …

 

ES SEGNE UND BEHÜTE UNS

DER ALLMÄCHTIGE UND BARMHERZIGE GOTT,

VATER, SOHN UND HEILIGER GEIST.

 

 (Hierbei kann ein Kreuzzeichen gemacht werden)

 

AMEN.