Am Gründonnerstag haben wir in den letzten Jahren im Gemeindehaus Bonbaden eine Seder-Feier gehabt. Wir wollen sie in diesem Jahr für 18:00 Uhr online bereitstellen. Ute und Ulrike tragen auch in diesem Jahr wieder schöne Lieder dazu bei, dieses Mal zusätzlich begleitet von Mirjam.

 

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Neue Demut

 

Wer hätte es Anfang des Jahres für möglich gehalten, dass z.B. 95 % der Flüge gestrichen werden? Dass der Staat unser Privatleben so stark einschränken würde? Dass wir keine Gottesdienste feiern dürfen? So viele Planungen werden über den Haufen geworfen! Ganz selbstverständlich gingen wir bisher – jedenfalls in unserem Land – davon aus, dass wir unser Leben planen und gestalten und im Griff haben können, auch mithilfe der technischen Entwicklung. Jetzt macht Gott uns klar, wie zerbrechlich unser Leben ist, dass es eine Wirklichkeit gibt, über die wir nicht Herr sind. Die Lage zwingt uns, innezuhalten, nicht weiter auf der Überholspur zu leben. Ob wir diese Lektion verstehen? Ob wir neue Demut lernen? Oder kehren wir nach der Krise einfach zum alten Leben zurück? Für mich liegt in diesem „Stopp“ der Aufruf Gottes, meine überhebliche Haltung abzulegen und die Wirklichkeit anzuerkennen, dass mein und unser aller Leben in Gottes Hand liegt. Immer schon. Wie viel habe ich denn wirklich von meinem Lebenslauf in der Hand gehabt? Ich habe nicht selbst entschieden, in welche Familie ich geboren wurde, wo ich aufgewachsen bin, dass ich meiner zukünftigen Frau über den Weg gelaufen bin, dass wir hier in Mittelhessen Arbeit gefunden haben, dass wir Kinder bekommen und wie sie werden würden... Also alles wirklich Wichtige in meinem Leben habe ich gar nicht im Griff. Ich empfange es dankbar aus Gottes Hand. Wenn ich das in neuer Demut sehe, kann ich auch meine Zukunft vertrauensvoll aus seiner Hand empfangen. Gott ist größer auch als das Corona-Virus. Gott sei Dank!

In der Bibel gibt es ein schönes Gebet von König David. Die Menschen haben gerade viel geleistet, um das große Projekt des Tempelbau zu ermöglichen. David ist aber nicht stolz auf die eigene Leistung, sondern sagt Gott Danke (1. Chronik 29, 10-18):

Gelobt seist du, HERR, Gott Israels, unseres Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit.

Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein.

Dein, HERR, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles.

Reichtum und Ehre kommt von dir, du herrschst über alles.

In deiner Hand steht Kraft und Macht, in deiner Hand steht es, jedermann groß und stark zu machen.

Nun, unser Gott, wir danken dir und rühmen deinen herrlichen Namen.

Denn was bin ich? Was ist mein Volk, dass wir freiwillig so viel zu geben vermochten?

Von dir ist alles gekommen, und von deiner Hand haben wir dir's gegeben.

Denn wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle.

Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht.

HERR, unser Gott, all dies Viele, das wir beschafft haben, dir ein Haus zu bauen,

deinem heiligen Namen, ist von deiner Hand gekommen, es ist alles dein.

Nun ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm.

Darum habe ich dies alles aus aufrichtigem Herzen freiwillig gegeben und habe jetzt mit Freuden gesehen,

wie dein Volk, das hier vor dir steht, dir alles freiwillig gegeben hat.

HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, unserer Väter,

bewahre für immer solchen Sinn und solche Gedanken im

Herzen deines Volks und richte ihre Herzen auf dich!



Venci Sancte Spiritus

 

Komm herab, o Heil'ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt,

strahle Licht in diese Welt.


Komm, der alle Armen liebt,

komm, der gute Gaben gibt,

komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit,

Gast, der Herz und Sinn erfreut,

köstlich Labsal in der Not,

In der Unrast schenkst du Ruh,

hauchst in Hitze Kühlung zu,

spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,

fülle Herz und Angesicht,

dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn

kann im Menschen nichts bestehn,

kann nichts heil sein noch gesund.

 

Was befleckt ist, wasche rein,

Dürrem gieße Leben ein,

heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart,

löse, was in sich erstarrt,

lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut,

das auf deine Hilfe baut,

deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn,

deines Heils Vollendung sehn

und der Freuden Ewigkeit.

 

Amen.

 

 

(Stephen Langton 1150-1228)



Das ist ein Satz aus dem Predigttext vom letzten Sonntag (22. März). Gott ist wie eine Mutter, die ihr Kind tröstet: in die Arme nimmt, an sich drückt, streichelt – da ist so viel leibhaftige Zuwendung, was man hautnah spüren kann. Also genau das, was in diesen Tagen so vielen Menschen fehlt, wenn die Liebsten einen nicht besuchen können, sondern man nur ihre Stimme am Telefon hört oder sie über Skype sieht. Wir brauchen leibhaftige Nähe und es ist schwer, diesen Entzug auszuhalten. Wir warten auf diesen menschlichen Trost. Und wir merken auch in diesen Tagen, dass wir Gottes Trost brauchen, der Perspektive schenkt. Gerade wenn so viel scheinbar Selbstverständliches sich auflöst, brauchen wir die Zusage, dass es eine letzte Bleibe gibt, die nicht infrage steht.

 

Damals, 500 Jahre v. Chr., hat Gott seinem Volk Israel diesen Trost zugesagt: Es gibt eine Heimat für Euch, wo ich bei Euch bin: Jerusalem. Auch wenn die Stadt jetzt noch ganz armselig daniederliegt, es wird die Zeit kommen, in der ihr dort in Frieden wohnt und geborgen seid. Ihr werdet mit Jerusalem getröstet werden. Bei unserem Besuch in Israel Anfang März waren wir auch an der Klagemauer. Mich hat beeindruckt, mit welcher Hingabe und Sehnsucht die Juden an der Klagemauer gebetet haben. „Freut Euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie liebhabt! Freut Euch mit mir, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid“ (Jes 66,10). Wie viele Menschen aus den verschiedenen Religionen haben diese Stadt lieb! Wie viele sind traurig über die Zerrissenheit! Es steht noch aus, dass Gott dieses Prophetenwort wahrmacht: „Siehe, ich bereite aus in Jerusalem den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach“ (Jesaja 66,12).

 

Wir Christen glauben, dass Jesus der Friedenskönig ist. Wenn er wiederkommt, wird er diesen Frieden bringen, nicht nur für Jerusalem, sondern für die ganze Welt. So dürfen wir gewiss sein, dass eine gute, friedliche, beglückende Zukunft auf uns wartet: sein Reich, um dessen Kommen wir im Vaterunser beten. Wie gut, dass bei aller Unsicherheit unserer Tage dieses Ziel feststeht. Und wie gut, dass Jesus uns jetzt schon nah ist. Zu ihm brauchen wir keinen Abstand halten. Er nimmt uns in die Arme, wenn wir uns ihm zuwenden, zu ihm umkehren. So erzählt es Jesus im Gleichnis vom verlorenen Sohn: der Vater sieht seinen Sohn schon von weitem kommen, läuft ihm entgegen und fällt ihm um den Hals und küsst ihn (Lukas 15,20). Gott kann uns auch jetzt berühren, wenn wir sonst allen Kontakt meiden. „Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“.

Unter Gottes Schutz (aus Psalm 91)

 

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt

und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

 

der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg,

mein Gott, auf den ich hoffe.

 

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers

und von der verderblichen Pest.

 

Er wird dich mit seinen Fittichen decken,

und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

 

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

 

dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,

vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

 

vor der Pest, die im Finstern schleicht,

vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

 

Denn der HERR ist deine Zuversicht,

der Höchste ist deine Zuflucht.

 

Es wird dir kein Übel begegnen,

und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

 

Denn er hat seinen Engeln befohlen,

dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

 

dass sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.




Was ist wesentlich?

 

„Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“, fragt Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 6, 25). Wie sehr hat sich unser Leben vor der Coronakrise um Arbeiten, Geld-Verdienen, Essen und Shoppen gedreht?! Jetzt fällt so viel weg von dem, was unser Leben sonst ausgefüllt hat. Anscheinend gibt es noch etwas Wichtigeres als Produzieren und Konsumieren. Was kann das sein? Noch können wir spazieren gehen und den kommenden Frühling genießen. Wir können Briefe schreiben und ein gutes Buch lesen. Wir können singen und Musik hören. Wir können etwas basteln und miteinander telefonieren. Kurz: wir können das Leben spüren. Dazu gehört natürlich, dass wir die innere Freiheit dafür haben und uns nicht von den Sorgen verrückt machen lassen. Das ist schwer, wenn man nicht weiß, wie lange das Ganze dauert. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch Gottes Herrschaft unterstellt, und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen. Quält euch also nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat.“ (Matthäus 6, 33+34 in der Übersetzung: Gute Nachricht)                (20.03.20)

Du verpasst nichts

 

Wenn nebenan die Party abgeht und Du bist nicht dabei, fühlst Du Dich schlecht. Jetzt aber steht die Welt still und Du verpasst nichts. Es gibt keine bessere Gelegenheit, um die Stille zu suchen. Wähle eine Zeit (20 Minuten), wo Du Dich nicht zerstreust (mit Fernsehen, Smartphone oder Internet), sondern Dich sammelst vor Gott. Das folgende Gebet von Romano Guardini hat sich dafür als hilfreich erwiesen, wenn man es sich immer wieder neu vornimmt:

 

Fortwährend empfange ich mich aus Deiner Hand,

fortwährend blickt Dein Auge mich an.

Von Deinem Blick her lebe ich, Du mein Schöpfer und mein Heil.

Lass mich in der Stille Deiner Gegenwart

das Geheimnis erkennen, dass ich bin;

dass ich bin durch Dich und vor Dir und für Dich.

Amen



Gemeinsam

 

Wir müssen zusammenhalten, indem wir Abstand halten. Wie gerne würden wir Euch leibhaftig treffen. Wir leiden darunter, dass wir die sozialen Kontakte meiden sollen. Aber ist es nicht auch eine neue Gemeinschaftserfahrung, wenn wir es schaffen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, wenn alle mitmachen?! Jetzt kann und muss wirklich jeder einzelne dazu beitragen. Sonst hatten wir oft das Gefühl, auf uns komme es nicht an, der einzelne würde gar nicht zählen. Doch jetzt ist klar, dass jede und jeder wichtig ist. Das ist doch eine große Sache, wenn wir das gemeinsam hinkriegen! Die Gemeinschaft ist da, auch wenn wir sie nicht sehen.

Aktion „Licht der Hoffnung“

 

Für die Gemeinschaft des Glaubens gilt das ganz besonders. Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „Ich glaube… die Gemeinschaft der Heiligen“. Mit den „Heiligen“ sind nicht die moralisch Guten gemeint, sondern alle, die an Jesus Christus glauben und die darum durch ihn „geheiligt“ werden. Diese Gemeinschaft reicht immer über das hinaus, was wir sehen und erleben, wenn wir zusammenkommen. Damit wir auch jetzt, wo wir nicht zusammenkommen können, spüren, dass wir verbunden sind, laden wir Euch ein, bei der Aktion „Licht der Hoffnung“ mitzumachen, die schon in einigen Kirchengemeinden läuft.

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